St. Katherine – Naturpark

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Der Naturpark (Saint Katherine Protectorate)

Der Naturpark S. Katherine ist als Wandergebiet kaum bekannt, obwohl er eine große Zahl an wunderschönen und abwechslungsreichen Touren bietet.

Das Gebiet umfasst ca. 4300 km2 und beherbergt mehr als 450 Pflanzenarten. Mindestens 150 davon gelten als Heilkräuter.

Innerhalb des Protektorates leben ca. 7000 Beduinen und 1500 Ägypter.

Die Region stand schon während der israelischen Besatzung in den 70er Jahren unter Naturschutz. Die Beduinen praktizierten aber bereits seit über tausend Jahren ein Schutzsystem: Bestimmte Gebiete wurden temporär nicht beweidet, bis sich der Pflanzenbestand erholt hatte und alles ausblühen konnte.

Ägypten erklärte das Gebiet 1983 zum Naturpark, allerdings kam die Sache erst in den 90er Jahren richtig zum Laufen. Die Europäische Union stellte große Geldbeträge zur Verfügung und man lotete aus, wie man das Protektorat gestalten müsste, damit es nicht misslingen würde wie viele andere Projekte der Art. Es fand sich glücklicherweise ein äußerst engagierter Brite, John Grainger, der schon viele andere Länder dabei unterstützt hatte, Naturschutzgebiete einzurichten. Ich habe ihn leider nie persönlich getroffen, aber er wird allenthalben in den Himmel gelobt. Was er für die Region getan hat ist von unschätzbarem Wert.

In enger Zusammenarbeit mit den lokalen Beduinen, unter Einbeziehung ihres uralten traditionellen Wissens und unter Rücksichtnahme auf ihre Bedürfnisse wurden Konzepte für den Park entworfen.

2006 gab es noch einmal EU-Gelder (SSRDP) und Verwirklichung vieler weiterer Ideen, so dass viele der Einheimischen Verdienstmöglichkeiten im Tourismus finden können. Auch das Management ist zum Teil in beduinischer Hand. Die Wiederbelebung der Gärten war damals ein großes Thema und das Projekt Baraka Gardens wurde ins Leben gerufen.

Lokale Beduinen sind als Ranger am besten geeignet, weil sie ein persönliches Interesse am Erhalt ihrer Umwelt haben, weil sie das traditionelle, ungeschrieben Gesetz kennen und gute Arbeit als Ehrensache betrachten.

Der Massentourismus in dem Gebiet und speziell am Mosesberg (bis zu 2000 Besucher am Tag) hat der Umwelt stark zugesetzt. Daher wurden etliche Maßnahmen durchgesetzt, die Abhilfe schaffen sollten, etwa das Aufstellen von Toiletten-Hütten (Kompost-Clos) und von Mülleimern, die regelmäßig geleert werden. Die Situation verbesserte sich merklich.

Es wird jetzt auch eine Gebühr von sämtlichen Besuchern eingezogen, direkt am Checkpoint, aber man hört immer wieder, dass zu wenig von dem Geld in den Naturpark zurück fließt.

Die Dschabaliya („Bergler“) und ihre Gärten

Neben einigen anderen Stämmen sind es vor allem die Dschabaliya-Beduinen, die in der Gegend von St. Katherine leben. Es sind etwa 4000 Personen. Sie sollen Nachfahren verschiedener Gruppen sein, die Kaiser Justinian damals zum Bau des Klosters aus Osteuropa und aus Ägypten hat kommen lassen und die als „Klosterdiener“ galten. Ihre Aufgabe war es auch, das Kloster zu schützen. Als sie im 6. Jh. in den Sinai gebracht wurden kamen sie als Familien und waren christlich. Im Laufe der Zeit nahmen sie den Islam an, aber sie praktizieren angeblich noch Reste christlicher Tradition.

Die Dschabaliya-Beduinen bereiten für die Mönche Mahlzeiten, verrichten handwerkliche Arbeiten im und ums Kloster, u.ä.. Früher wurden die Beduinen mit Lebensmitteln entlohnt und erhielten vor allem das typische Klosterbrot. Sie bewirtschaften die Gärten des Klosters und kultivieren überall in den Bergen auch eigene Gärten.

Die Dschabaliya sind große Gartenbau-Experten. Früher lebten die Familien die meiste Zeit in ihren Gärten. Nachdem man aber die Möglichkeit hatte, die Kinder in die Schule zu schicken kamen viele Familien in die Täler, was zur Folge hatte, dass manche der Gärten völlig verfielen. Andererseits gibt es in unserer Zeit wieder vermehrt den Ansporn, die Gärten gut zu pflegen, denn man kann sie an Wandergruppen vermieten oder moderne Eremiten oder Visionssuchende dort einquartieren.

Es gibt etwa 400 Gärten (durchschnittlich ca. 2 Hektar groß). Dort wachsen wilde und kultivierte Pflanzen gemeinsam. Ein Garten ist ebenso unverletzbar wie eine Frau und Einbruch wird hart geahndet. Allerdings können Gruppen mit einheimischen Guide jederzeit in den Gärten lagern. Die Gärten werden immer vom Vater an die Söhne vererbt und meist von Brüdern gemeinsam genutzt.

Die Dschabaliya haben kleine Viehherden und besitzen Esel und Kamele. Der Tourismus bietet vielen Familien eine Einkunft. Sie vermieten am Mosesberg Kamele und warme Decken an Touristen, betreiben kleine Cafeterias und Läden, betätigen sich als Führer für Bergwanderer, betreiben Camps für Rucksackreisende usw. Im Naturparkmanagement spielen sie eine wichtige Rolle.

Viele Frauen sind in Handarbeitsprojekte eingebunden und besticken wunderschöne Taschen, Tücher usw. Das bekannteste und größte Projekt ist Fansina. Es wurde in den 90er Jahren mit EU-Hilfe ins Leben gerufen und existiert bis heute.

Die Dschabaliya haben ein relativ gutes Verhältnis zur Regierung und zu den Ägyptern vor Ort. Aber auch sie fühlen sich – wie die anderen Beduinen im Süd- und vor allem im Nordsinai – marginalisiert und erhoffen sich mehr Unterstützung vom Staat.

Tipps für den Besuch des Naturparks

Man darf als Tourist nur mit einem lokalen Führer in die Berge gehen. Das soll nicht nur Einkommensmöglichkeiten für die Beduinen schaffen, sondern diese Führer kennen das Gebirge wie ihre Westentasche, sie können das Wetter einschätzen, sie kennen die Pfade und Durchschlupfe, sie kennen die Gärten und ihre Besitzer, sie wissen, wo sich Wasserstellen befinden und sie achten darauf, dass beim Wandern und Lagern die Naturschutzregeln eingehalten werden – jedenfalls sollte das so sein. Und Vieles mehr.

Wenn man über Nacht bleibt und für jede längere Tour empfiehlt es sich auf jeden Fall, ein Kamel mitzunehmen. Man muss sich im Städtchen mit allem eindecken, was man für die Tour benötigt; der Führer besorgt normalerweise das Essen und nimmt auch Decken, Kochutensilien, Teekanne, vielleicht auch einen Gaskocher usw. mit. Trinkbares Wasser gibt es in den Bergen. Wer einen sehr empfindlichen Magen hat kann aber abgepacktes Wasser mitnehmen lassen.

Man übernachtet üblicherweise in den Gärten. Die Gärten sind von Steinmauern umgeben und verhindern vor allem das Eindringen von wilden Tieren, insbesondere den Eseln, die sich ansonsten mit Sicherheit dankbar auf alle Ihre Essensvorräte stürzen würden…

In den Gärten gibt es die Möglichkeit, sich zu waschen, d.h. Wasser ist vorhanden, Sichtschutz auch und manchmal sogar ein Schlauch. Wenn nicht, ist das Wasser im Kanister und man gießt es sich selber drüber. Toilettengang entweder im Kompostklo oder außerhalb des Gartens. Bitte nicht auf Pfade urinieren. Klopapier verbrennen.

Sie können eine Tour vor Ort und relativ spontan organisieren. Gehen Sie im Zentrum der Stadt, nicht weit von der Tankstelle zu „Scheich Musa“. Ihn kennt jeder.

Wenn Sie von langer Hand eine Tour planen wollen finden Sie äußerst nützliche Tipps, Informationen, hervorragendes Kartenmaterial und jede Menge downloads auf discoversinai.net & sinaitrekkingandsafari.com

Sie können auch gerne uns kontaktieren. Wir kennen sehr empfehlenswerte Führer.

Längere Wanderungen mit Führer:

  • Wanderung ins Wadi Al-Arbain zum Gehöft von Ramadan, der dort Klippschliefer züchtet, die man sehen kann
  • Tages- oder Halbtagesausflug; mit sehr einfacher Übernachtungsmöglichkeit, auch geeignet, um von dort aus den Mosesberg zu besteigen.
  • Besteigung des Katharinenberg
  • Tagesausflug oder über Nacht; über 1000 Höhenmeter!
  • Wanderungen im Hochgebirge: Übernachten in Gärten, Ausblicke, Wasserbecken, Wasserfälle, Schluchten, Pflanzenvielfalt, Wüstenschloss (Abbas Bascha), u.v.a. (mindestens ein Tag; längere Tour mit Lasttier)
  • Geschichten-Tour (tales of Sinai)talesofsinai.com
  • Wohnen in einem Garten (z.B. als „Eremit auf Zeit“)

Angebote durch skr-Reisen

  • Praktikum im Kräutergarten (Ahmad Saleh Auwad – mehrere Wochen) Ausflug in die Blaue Wüste (mit Fahrer)

Der Naturschutz umfasst u.a.

  • Erhalt einer intakten Umwelt
  • Umweltverträglicher Tourismus
  • Erforschung, Bewahrung, nachhaltige Nutzung und Zucht von Pflanzen mit medizinischem Nutzen in den Bergen
  • Dokumentation des traditionellen Wissens um die Pflanzen
  • Erfassung gefährdeter Arten und Anlegen einer Genbank
  • Einbeziehung der einheimischen Beduinen in die Projekte
  • Erhalt der global bedeutenden Pflanzenvielfalt
  • Einrichtung von Informationszentren

Mit daran beteiligt:

  • EEAA: Egyptian Environmental Affairs Agency (Ägyptische Umweltbehörde)
  • UNDP: UN Development Programme (Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen)
  • GEF: Global Environmental Facility (Globale Umwelteinrichtung)
  • EU: Europäische Union