Kameltour

Kameltouren früher…

Seit jeher haben Beduinen gegen Bezahlung Fremde durch ihr Land geführt. Es war auch nicht sonderlich ratsam, als Außenstehender alleine durch Beduinenland zu reisen – man war völlig schutzlos und es konnte durchaus vorkommen, daß man ausgeraubt wurde. Schon aus diesem Grund stellten Reisende sich unter den Schutz des Stammes, bzw. des Scheichs, auf dessen Gebiet sie unterwegs waren. Mit einheimischen Beduinen zu reisen hatte natürlich noch mehr Vorteile. Sie sind es, die die Wüste kennen, die mit Kamelen umgehen können und wissen wo man am besten lagert und wo nicht. Sie kennen die einzelnen Landschaften und ihre Tücken, sie können die Reisenden vor gefährlichen Tieren und Pflanzen warnen, sie können das Wetter einschätzen und wissen, wo man Wasser findet.

Reisen auf dem Kamel hatten bis in unsere Tage meistens den Zweck, eine Person von A nach B zu bringen. Im Norden zogen muslimische Pilger, vom Westen kommend, über den Sinai hinweg weiter nach Mekka. Die meisten Fremden aber kamen in den Sinai, um das Katharinenkloster zu besuchen oder um in der Wüste zu forschen. Archäologen, Geologen, Biologen – sie fragten: Sind die biblischen Erzählungen historisch? Welche Route nahmen die Kinder Israel unter Moses Führung? Wo liegt der Berg der Gesetzgebung? Wüstenfoscher, Sprachwissenschaftler, Völkerkundler – sie alle ließen sich gezielt an die Orte bringen, von denen sie sich irgendetwas Spannendes erhofften.

...und heute

Heute ist das anders. Heute kann man diese Orte meist schneller und müheloser mit dem Jeep erreichen. Wer im dritten Jahrtausend als Europäer mit dem Kamel die Wüste durchquert, hat meistens den Weg selbst als Ziel. Es geht einfach um’s unterwegs sein, in der Wüste sein, die Stille erleben, die Kargheit erfahren, ganz woanders sein. Wir erhoffen uns von der Reise in die Wüste Ruhe und Entspannung, vielleicht auch Antwort auf eine drängende Frage in einer speziellen Lebenssituation. Wir möchten den Arbeitsalltag zu Hause vergessen, wollen Abstand bekommen, bzw. zur eigenen Mitte finden. Die Zeit scheint langsamer zu vergehen. Auf einer Kameltour fällt es einem leicht, Sorgen zu vergessen und Probleme aus einer gesunden Distanz zu betrachten. Der Blick über den eigenen Tellerrand auf die Kultur der Beduinen kann dazu führen, die eigene Situation relativer und von einem anderen Standpunkt aus zu sehen. Der tiefe Blick auf die fremden Menschen kann uns deren Weltbild nahebringen, kann Verständnis wecken für andere Sichtweisen der Welt.

Aber nicht nur das – der Sinai, vor allem der Süden, ist mit einer traumhaften und ausgesprochen abwechslungsreichen Landschaft gesegnet.

Reisen auf dem Kamelrücken durch den Sinai

Das Kamel bietet eine Art der Fortbewegung, die es ermöglicht, die Landschaft in all ihren Details wirklich zu erleben und zu fühlen. Man sieht die Farben im Fels, entdeckt Feinheiten in den Formen und merkt, wie die Landschaft um einen herum sich langsam verändert. Mit etwas Glück bekommt man einen Fuchs, eine Gazelle oder einen Klippschliefer zu sehen – oder zumindest ihre Spuren. Man staunt über die Vielfalt der Vögel: Finken, Steinhühner, Tauben, Stare, Falken, Zugvögel auf der Durchreise…und man stellt fest, daß es Fliegen einfach überall gibt! Jedes Tal hat typische Pflanzen, die es prägen. Im einen wachsen Tamarisken, im nächsten Sodomsäpfel, das eine ist von Wacholder geprägt, das nächste vom Kapernstrauch. Jede Akazie ist anders geformt.

Man riecht den Duft jeder einzelnen Gegend. Manches Tal riecht intensiv nach Wermut, ein anderes nach Thymian… Anders als zum Beispiel im Jeep kann man die Akkustik der Wüste intensiv und total wahrnehmen: Das ist natürlich in erster Linie die unglaubliche Stille, eine Stille, die man hier in Deutschland einfach nirgends erfahren kann.

Aber auch die Geräusche, die es gibt, klingen je nach Landschaft ganz unterschiedlich: Man hört, wie leichter Wind sich in den Ginsterbüschen verfängt, das Zwitschern eines Vogels, das Knacken von Holz, die eigene Stimme, ein Lied vom Karawanenführer – in einem engen Tal scheint so ein Klang den ganzen Raum zu füllen. Das gilt auch für die etwas „moderneren Geräusche“, zum Beispiel, wenn ein paar herausgeputzte Beduinenburschen auf geschmückten Kamelen unterwegs sind und ihre tragbaren Kassettenrekorder mit bunten, verzierten Kordeln über den Sattelknauf gehängt haben, aus denen lautstark Muhammad Abdu, Fata Rahima oder andere saudiarabische Sänger tönen. Das beeindruckt nicht nur die Bedumädchen, sondern auch die Touristen und Touristinnen…

Gemeinsam mit den Beduinen umherzureisen, langsam, auf dem Kamel oder auch mal ein Stück zu Fuß, im Freien Sitzen, im Freien kochen und essen, unterm 1000-Sterne-Zeltdach schlafen – das sind unvergeßliche Erlebnisse.

Kameltour konkret

Wie läuft so eine Kameltour eigentlich ab?

Das Reiten auf dem Kamel Das Kamelreiten bedarf keiner Vorkenntnisse. Man steigt auf das Kamel, wenn es auf dem Boden kniet. Der Sattel ist mit einer Decke ausgelegt und gibt dem Reiter guten Halt. Mit bestimmten Sitztechniken läßt sich verhindern, daß man Kreuzschmerzen bekommt. Die Reiseteilnehmer führen und lenken ihre Kamele selbst. Es ist ganz einfach. Reitkamele sind für gewöhnlich liebenswerte, geduldige Tiere, die meistens in ruhigem Gang dahinlaufen und ab und zu etwas am Wegesrand knabbern. Auf engen, steinigen Wegen und Pässen steigen wir ab und lassen die Kamele nur das Gepäck tragen. Natürlich ist keiner verpflichtet, zu reiten. Man kann die gesamte Strecke auch zu Fuß gehen.

Was ißt man?

Die Beduinen backen mindestens einmal täglich frisches Brot. Dazu gibt es Tomaten, Gurken, Oliven, Feta-Käse und dergl. An warmen Gerichten gibt es leckere Gemüseeintöpfe, Bohnen, Reis mit Gemüse oder Linsen u.ä., auf Wunsch auch Fleisch. Und Obst führen wir auch mit.

Was trinkt man?

Das absolut typische Getränk der Mzaina-Beduinen ist starker, süßer Schwarztee. Daneben können wir natürlich auch Kaffee und selbst mitgebrachte Tees trinken. In der Wüste finden wir auch Kräuter, aus denen wir Aufguß bereiten können. Wir führen genügend stilles Mineralwasser mit. Unterwegs werden wir möglicherweise von Beduinenfrauen zum Tee eingeladen.

Wie schläft man?

Nachts schlafen wir unter freiem Himmel auf dem Boden im Schlafsack. Der Untergrund ist Sand oder feiner Kies. Wer will, kann ein Zelt mitnehmen, aber erfahrungsgemäß wird es meistens doch nicht gebraucht.

Wo ist das Bad?

Es ist während der Tour nicht möglich, sich täglich zu duschen, wohl aber reicht das Wasser für eine kleine Wäsche. Dazu begibt man sich einfach hinter den nächsten Felsen oder Busch. Ab und zu kommen wir an Orten vorbei, wo genug Wasser fließt, daß man sich mal ganz duschen und die Haare oder etwas Wäsche waschen kann. Im allgemeinen schwitzt der Körper aber nicht so sehr, wie man es befürchtet, da in der Wüste die Luft sehr trocken ist und meistens ein laues Lüftchen geht.

Wem gehört die Wüste?

Die von uns bereiste Gegend befindet sich zwar auf ägyptischem Boden, wird von (nicht-beduinischen) Ägyptern aber weitgehend gemieden. Die Mzaina-Beduinen betrachten es als ihr Stammesgebiet, das heißt, Mitglieder ihres Stammes dürfen darin Häuser bauen und Brunnen graben, Feuerholz suchen und ihr Vieh weiden lassen. Wir werden in der Wüste ab und an Beduinenmännern oder Hirtenmädchen begegnen.

Ebenso kann es passieren, daß andere Touristen unseren Weg kreuzen. Die meiste Zeit jedoch werden wir kaum andere Menschen sehen. Selbstverständlich bemühen wir uns, keinen Müll und so wenig Spuren als möglich zu hinterlassen. Wir befinden uns auf dem Land, das die Beduinen bewohnen und benutzen und sollten uns verhalten wie Besucher und Gäste.

Die Kameltouren, die Sliman Abu Hmed veranstaltet und die ich begleite, können Sie bei mir buchen. Schreiben Sie mir einfach eine E-Mail oder rufen Sie an. Im Menüpunkt „Aktuelles“ finden Sie Infohefte zum Herunterladen. Auf Wunsch schicke ich Ihnen gerne eines mit der Post zu!

Bitte beachten Sie:

Veranstalter der Reisen ist: „Sliman-Reisen“, geführt von Sliman Hmed Jabali, Nuweba, Südsinai

Im Kapitel Tipps finden Sie Informationen und Hinweise dazu, wie Sie auf eigene Faust im Sinai umherreisen und Kameltouren machen können.

Lesen Sie hier einen Aufsatz zum Thema „Beduinen und ihre Kamele“.